Zertifikate

Zertifikate - Vertrauen braucht Kontrolle.

Wer verantwortungsvoll produzieren möchte, kann vieles versprechen. Entscheidend ist, was davon nachvollziehbar und überprüfbar ist.

Genau hier sind unabhängige Zertifikate und Standards wichtig. Sie definieren klare Kriterien, schaffen Vergleichbarkeit und überprüfen durch unabhängige Kontrollen, ob festgelegte Anforderungen tatsächlich eingehalten werden.

Das schafft Orientierung und Vertrauen - für uns als Marke ebenso wie für unsere Kundinnen und Kunden.

Zertifizierungen sind allerdings auch mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden. Nicht nur für Marken, sondern ebenso für Betriebe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Trotzdem halten wir sie dort, wo sie einen echten Mehrwert schaffen, für wichtig.

Klare Kriterien. Unabhängige Kontrollen. Mehr Vertrauen.

Je weiter entfernt, desto wichtiger die unabhängige Kontrolle

Besonders wichtig sind Zertifizierungen für uns in den Bereichen der Wertschöpfungskette, die wir selbst nicht regelmäßig und unmittelbar kontrollieren können. Mit unseren direkten Lieferanten und Produktionspartnern stehen wir in engem persönlichem Austausch. Wir besuchen Produktionsstätten regelmäßig, stimmen uns direkt ab und können bei Fragen oder Herausforderungen kurzfristig reagieren.

Je weiter wir jedoch an den Anfang der Lieferkette gehen, desto schwieriger wird diese unmittelbare Kontrolle.

Wo und unter welchen Bedingungen wurde Baumwolle angebaut? Wie wurden Tiere gehalten, von denen unsere Wolle stammt? Unter welchen Bedingungen werden Regeneratfasern hergestellt?

Wir können nicht kontinuierlich selbst auf Baumwollfeldern, in der Tierhaltung oder bei der Faserherstellung vor Ort sein.

Gerade dort sind unabhängige Standards, nachvollziehbare Kriterien und Kontrollen durch Dritte für uns besonders wertvoll.

Sie helfen uns dabei, Anforderungen auch an den Stellen der Wertschöpfungskette abzusichern, an denen persönliche Besuche und eigene Kontrollen nicht in derselben Konsequenz möglich sind.


Ein Zertifikat ist aber kein Freifahrtschein.

Gleichzeitig bedeutet ein Zertifikat nicht automatisch, dass ein Produkt in jeder Hinsicht unseren Vorstellungen entspricht.

Standards definieren Kriterien und legen fest, was innerhalb eines Zertifizierungssystems zulässig ist. Doch auch innerhalb dieser Vorgaben können Materialien, Verfahren oder Zutaten erlaubt sein, auf die wir bei wunderwerk bewusst verzichten.

Deshalb sind Zertifikate für uns eine wichtige Grundlage und ein unabhängiger Maßstab - aber nicht das Ende unserer Verantwortung.

Wo wir selbst nah dran sein können, setzen wir zusätzlich auf persönliche Beziehungen, regelmäßige Besuche, direkten Austausch und eigene Kontrolle.

Und manchmal entscheiden wir uns bewusst dafür, über die Anforderungen eines Standards hinauszugehen.


GOTS - ein wichtiger Standard für die textile Verarbeitung.

Der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS, gehört zu den international bekanntesten Standards für Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig, die häufig falsch dargestellt wird:

Biobaumwolle selbst wird nicht GOTS-zertifiziert.

Baumwolle entsteht zunächst als landwirtschaftlicher Rohstoff. Ihr kontrolliert biologischer Anbau wird separat nachgewiesen.

GOTS setzt erst in der anschließenden textilen Verarbeitungskette an – beispielsweise beim Garn und später beim Stoff.

Für wunderwerk ist genau diese Verbindung wichtig: kontrolliert biologisch erzeugter Rohstoff auf der einen Seite und unabhängig kontrollierte textile Weiterverarbeitung auf der anderen.

Gerade bei diesen frühen Stufen der Wertschöpfungskette sind solche unabhängigen Nachweise für uns besonders wertvoll.


GUT ZU WISSEN.

Gibt es GOTS-zertifizierte Biobaumwolle?

Nein. Auch wenn dieser Begriff häufig verwendet oder selbst von Marken verwechselt wird: Biobaumwolle selbst wird nicht GOTS-zertifiziert. GOTS beginnt erst in der textilen Verarbeitungskette, beispielsweise beim Garn.



GOTS setzt Standards. Wir schauen trotzdem genauer hin.

GOTS ist für uns ein wichtiger Maßstab. Gleichzeitig bildet der Standard nicht jede Entscheidung ab, die wir bei wunderwerk für ein gutes und verantwortungsvoll hergestelltes Kleidungsstück treffen.

Das zeigt sich besonders bei der Faserzusammensetzung.

Je nach GOTS-Kennzeichnungsstufe können neben zertifizierten Bio-Naturfasern auch weitere, innerhalb des Standards zugelassene Fasern eingesetzt werden.

Für wunderwerk ist jedoch nicht allein entscheidend, was innerhalb eines Standards zulässig ist, sondern welche Materialien wir selbst für sinnvoll halten.

Umgekehrt setzen wir bewusst Materialien ein, die wir aufgrund ihrer Eigenschaften und Herstellung schätzen, die aber bei höheren Anteilen dazu führen können, dass ein Produkt die Voraussetzungen einer GOTS-Zertifizierung nicht erfüllt.

Dazu gehören hochwertige Regeneratfasern wie TENCEL™ Lyocell oder Modal Edelweiss.


Nicht zertifizierbar bedeutet nicht automatisch weniger verantwortungsvoll. Und zertifizierbar bedeutet nicht automatisch, dass ein Material unseren eigenen Anforderungen entspricht.


Bereits 2013 ein Thema.

Bereits 2013 sprach Heiko Wunder mit einem Mitarbeiter von GOTS über genau diesen Punkt: Wie können besonders verantwortungsvoll hergestellte Regeneratfasern innerhalb des Standards angemessen berücksichtigt werden?

In diesem Gespräch wurde Heiko Wunder in Aussicht gestellt, dass es Überlegungen gebe, solche Fasern zukünftig stärker in die Zertifizierung einzubeziehen.

Für wunderwerk war das von besonderer Bedeutung. Denn Fasern wie TENCEL™ Lyocell und besonders Modal Edelweiss bieten in bestimmten ökologischen Aspekten und Trageeigenschaften Vorteile gegenüber Biobaumwolle und gehören bereits seit der ersten wunderwerk Kollektion zu unserer Materialwelt.

Trotzdem erfüllt ein Kleidungsstück mit beispielsweise 50 % oder 60 % einer solchen Regeneratfaser die Voraussetzungen für eine entsprechende GOTS-Kennzeichnung nicht.

Wir haben die weitere Entwicklung deshalb über Jahre verfolgt.


Warum sich wunderwerk seit 2023 nicht mehr GOTS-zertifizieren lässt.

Diese Entscheidung bedeutet ausdrücklich keine Abkehr von GOTS.

Im Gegenteil: Gerade in den frühen Stufen der Wertschöpfungskette, die wir selbst nicht kontinuierlich kontrollieren können, halten wir unabhängige Standards – auch diesen - weiterhin für besonders wichtig.

Nachdem wir die Entwicklung seit dem Gespräch 2013 zehn Jahre lang verfolgt hatten, haben wir 2023 entschieden, die zusätzliche GOTS-Zertifizierung von wunderwerk als Unternehmen nicht weiterzuführen.

Dafür gibt es mehrere Gründe.

1. Zehn Jahre auf eine Weiterentwicklung gewartet

Seit dem Gespräch 2013 hatten wir darauf gehofft, dass besonders verantwortungsvoll hergestellte Regeneratfasern zukünftig stärker innerhalb des Standards berücksichtigt werden können.

2023 - zehn Jahre später - bestand dieser grundsätzliche Konflikt für unsere Materialstrategie weiterhin.

Für uns stellte sich deshalb die Frage:

Sollten wir unsere Materialauswahl danach richten, was sich zertifizieren lässt - oder danach, welches Material wir für das jeweilige Produkt für sinnvoll halten?

Unsere Antwort war klar:

Das Produkt und die Nachhaltigkeit bestimmt die Materialentscheidung. Nicht das Siegel.

2. Erlaubt bedeutet für uns nicht automatisch sinnvoll.

Gleichzeitig sind innerhalb der GOTS-Vorgaben zusätzliche Fasern zulässig, auf die wir bei wunderwerk bewusst verzichten.

Das zeigt für uns die andere Seite derselben Frage:

Ein aus unserer Sicht sinnvolles Material kann eine Zertifizierung verhindern - während ein Material, das wir bewusst vermeiden, innerhalb bestimmter Grenzen zulässig sein kann.

Für uns ist deshalb nicht allein entscheidend:

Ist es erlaubt?

Sondern:

Brauchen wir es überhaupt? Gibt es eine bessere Alternative? Können wir darauf verzichten?

Unser eigener Anspruch geht deshalb an einzelnen Stellen über die Anforderungen eines Zertifikats hinaus.


3. Zertifizierung bedeutet auch erheblichen zusätzlichen Aufwand und Materialverbrauch.

Ein weiterer Aspekt wird besonders deutlich, wenn man Produktionsstätten selbst kennt.

GOTS-zertifizierte Ware muss entlang der Verarbeitung eindeutig identifizierbar und von anderen Warenströmen getrennt bleiben. Das dient der Rückverfolgbarkeit und ist als Prinzip nachvollziehbar.

In der praktischen Umsetzung bedeutet diese vorgeschriebene Trennung jedoch erheblichen zusätzlichen Aufwand für die Lieferanten - selbst dann, wenn ein Betrieb ohnehin ausschließlich Materialien verarbeitet, die unseren Anforderungen an eine verantwortungsvollere Herstellung entsprechen.

Wer Produktionsstätten selbst besucht, sieht auch die Dimension: Produktions- und Lagerhallen sind teilweise viele Meter hoch, Maschinenparks und Warenlager erstrecken sich über große Flächen. Für die notwendige Trennung wird in der Praxis unter anderem Kunststofffolie eingesetzt. Dabei geht es schnell um erhebliche Mengen an Folie (= Plastik).

Wärme, Licht, Luftbewegung und der tägliche Produktionsbetrieb beanspruchen diese Folien zusätzlich. Sie werden beschädigt, ersetzt – und schließlich zu Abfall.

Für wunderwerk entsteht daraus ein klarer Zielkonflikt:

Vermeiden statt aufwendig recyceln.

Wir möchten Rückverfolgbarkeit und unabhängige Kontrolle. Gleichzeitig möchten wir Kunststoff möglichst gar nicht erst einsetzen, statt ihn anschließend aufwendig recyceln zu müssen.

Auch dieser zusätzliche Aufwand für unsere Lieferanten und der damit verbundene Materialverbrauch waren wichtige Aspekte unserer Entscheidung.

4. Aufwand und Kosten dort einsetzen, wo sie mehr bewirken.

Zertifizierungen bedeuten Zeit, Organisation und erhebliche Kosten - für die Marke ebenso wie für die beteiligten Unternehmen der Lieferkette.

Das allein wäre für uns kein Grund, auf eine sinnvolle Zertifizierung zu verzichten.

Entscheidend ist vielmehr die Frage: Wo erzielt dieser Aufwand tatsächlich die größte Wirkung?

wunderwerk hat seine Produkte selbst nie mit dem GOTS-Siegel ausgezeichnet - auch diejenigen nicht, bei denen dies möglich gewesen ist.

Denn unser Ziel war nie, möglichst viele Siegel auf unsere Kleidung zu drucken.

Wichtiger ist uns, dass Standards dort umgesetzt werden, wo unsere Materialien und unsere Kleidung tatsächlich entstehen.

Standards dort stärken, wo sie wirken.

Dass wir wunderwerk seit 2023 nicht mehr als Unternehmen GOTS-zertifizieren lassen, bedeutet keineswegs, dass wir uns von GOTS oder unabhängigen Standards zurückgezogen haben. Im Gegenteil.

Heiko Wunder hat über viele Jahre sein Wissen, seine Erfahrung und seinen direkten Einfluss genutzt, um Lieferanten bei der Weiterentwicklung ihrer Prozesse zu unterstützen und für unabhängige Standards zu sensibilisieren.

Durch Beratung, Austausch und persönliche Begleitung wurden auch Betriebe außerhalb unserer Lieferkette in Portugal, Indien, Tunesien und Deutschland GOTS-zertifiziert. Darauf sind wir besonders stolz.

Denn für uns liegt ein wesentlicher Hebel nicht darin, ein weiteres Logo auf ein fertiges Kleidungsstück zu setzen.

Entscheidend ist, was sich dort verändert, wo Materialien und Kleidung tatsächlich entstehen und wie eine nachhaltigere Herstellungsweise umgesetzt werden kann.

Zertifizierung dort, wo sie Kontrolle schafft.

Verantwortung dort, wo wir selbst Einfluss nehmen können.

Noch tiefer einsteigen?

In unseren Newslettern teilt Heiko Wunder Hintergründe, Erfahrungen aus der Produktion und persönliche Einblicke in Entscheidungen rund um Materialien, Zertifizierungen und Verantwortung.



IVN BEST - wenn der Standard weitergeht.

wunderwerk war seit seiner Gründung Mitglied im Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e. V., kurz IVN, um den Verband und seine Arbeit für konsequente Naturtextilien zu unterstützen.

Der NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST Standard gehört zu den besonders anspruchsvollen Standards für Naturtextilien und geht in wichtigen Punkten über die Anforderungen des GOTS hinaus: IVN BEST verlangt 100 % biologisch erzeugte Naturfasern und stellt weitergehende Anforderungen an Materialien, Chemikalien und Verarbeitungsverfahren.

Für wunderwerk ist IVN BEST deshalb seit vielen Jahren ein wichtiger Maßstab dafür, was bei der konsequenten Herstellung von Naturtextilien möglich ist.


GOTS und IVN BEST – wo liegt der Unterschied?

Beide Standards stellen umfangreiche Anforderungen an die textile Herstellung. IVN BEST setzt in verschiedenen Bereichen jedoch strengere Grenzen.



Für uns zeigt dieser Vergleich vor allem eines: Ein Zertifikat definiert einen Standard. Es definiert nicht automatisch unseren gesamten Anspruch.

Warum wunderwerk teilweise weitergeht.

Nur weil ein Material, eine Zutat oder ein Verfahren innerhalb eines Standards zulässig ist, bedeutet das nicht automatisch, dass wir es einsetzen möchten.

wunderwerk hinterfragt solche Details bewusst. Wo wir etwas nicht benötigen, versuchen wir, es von Anfang an wegzulassen.

Vermeiden statt aufwendig recyceln.

Dieses Prinzip reicht bis in vermeintlich kleine Produktdetails.

Bestand unser Jeansknopf anfangs nur noch mit einem kleinen Plastikstück im Schaft versehen, um den Dorn zu hakten, ist dieser seit 2016 komplett plastikfrei - einschließlich des Schafts.

Ein kleines Detail. Aber eines, das zeigt, wie weit man ein Produkt denken kann. Denn Verantwortung entscheidet sich nicht nur beim Hauptmaterial eines Kleidungsstücks.

Ein Siegel ist wichtig. Hinschauen auch.

Zertifikate schaffen Vergleichbarkeit, definieren Kriterien und ermöglichen unabhängige Kontrollen. Genau das macht sie wertvoll.

Gleichzeitig kann kein einzelnes Siegel sämtliche Entscheidungen abbilden, die hinter einem Kleidungsstück stehen.

Woher stammen die Rohstoffe? Wie wurden Tiere gehalten? Welche Materialien wurden ausgewählt? Welche Chemikalien werden eingesetzt – und welche bewusst vermieden? Wie viel Wasser wird in einzelnen Produktionsschritten benötigt? Woraus bestehen Knöpfe, Garne, Labels und andere Zutaten? Wo wird produziert? Und wie eng arbeitet eine Marke mit ihren Produktionspartnern zusammen?

Deshalb betrachten wir Zertifikate als wichtige Grundlage- nicht als Endpunkt unserer Verantwortung.


Unser Maßstab: das Produkt als Ganzes.

Bei wunderwerk betrachten wir ein Kleidungsstück nicht nur nach seinem Zertifikat.

Wir betrachten seine Auswirkungen auf Natur und Umwelt, Tiere und Menschen – vom Rohstoff über Materialien und Zutaten bis zur Herstellung und Zusammenarbeit mit unseren Partnern.

Dabei verbinden wir unabhängige Standards mit unserem eigenen Anspruch: genau hinsehen, hinterfragen und dort weiterdenken, wo eine bessere Lösung möglich ist.

Denn am Ende geht es für uns nicht darum, möglichst viele Siegel auf einem Produkt zu zeigen. Es geht darum, möglichst gute Entscheidungen für das Produkt und seine Herstellung zu treffen.

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